Wurzelkanalbehandlung

Die Therapie mit dem Ziel, einen Zahn zu erhalten

Der eigene Zahn ist besser als das beste Implantat! Aus diesem Grund werden Zähne, deren Nerv erkrankt oder gar abgestorben ist, mit einer Wurzelbehandlung versorgt und so erhalten. Dabei wird der Zahn von innen gereinigt, indem das erkrankte Gewebe entfernt wird und vorhandene Bakterien abgetötet werden. Anschließend wird die Zahnwurzel dicht gefüllt, damit keine weiteren Bakterien eindringen können. Solche Behandlungen sind sehr aufwendig, lohnen sich aber, wenn hierdurch der Zahn erhalten werden kann. Die Folgekosten eines möglichen Zahnverlustes sind in der Regel höher (z.B. Lückenschluß durch eine Brücke oder ein Implantat).

Hugo & Kollegen
Zahnmedizin & Implantologie

Dr. med. dent. Oliver Hugo M. Sc. *
Dr. med. Sabine Hugo
ZA Thorsten Zimmerling
ZÄ Leonie Rossow
ZÄ Daniela Suttner

*(Zertifizierter Spezialist Implantologie - DGZI)

Wann ist eine Wurzelbehandlung notwendig ?

Erkrankte Zähne sollten unbedingt behandelt werden

Jeder Zahn hat im Inneren ein eigenes kleines Organ, das von Blut- und Nervengefäßen versorgt wird. Durch tiefe Karies oder andere Einflüsse eindringende Bakterien können zu einer Entzündung führen. Oft äußert sich diese Erkrankung des Zahnes durch Temperaturempfindlichkeit und wiederkehrende oder dauerhafte Zahnschmerzen. Manchmal kann dieser Prozeß jedoch völlig unbemerkt ablaufen und wird erst bei einer zahnärztlichen Untersuchung oder auf einem Röntgenbild festgestellt. In der Folge einer solchen Entzündung kann es im Bereich der Wurzelspitze zu einer eitrigen Entzündung kommen, die den Kieferknochen auflöst. Nicht unbeachtet sollte darüber hinaus bleiben, daß solche Entzündungen Herde darstellen, die über die Blutbahn Bakterien auch in andere Organe des Körpers streuen können. Insbesondere bei Patienten, die unter anderen Beschwerden leiden (z.B. Herzerkrankungen), sollten erkrankte Zähne unbedingt behandelt werden.

Wie ist der Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung?

Die maschinelle Aufbereitung

Der Ablauf zusammengefasst:

  • Örtliche Betäubung des infizierten Zahnes
  • Aufsuchen der Kanäle und Erweitern des Kanaleingangs
  • Ausmessen der Kanallänge
  • maschinelle Aufbereitung  der Kanalwände und Desinfektion
  • Abfüllen der Kanäle und speicheldichter Verschluss
  • Röntgenkontrolle der Wurzelfüllung


Unter örtlicher Betäubung wird eine Öffnung in den Zahn gebohrt (1). In jeder Wurzel muß der Kanal mit geeigneten Instrumente erweitert und gereinigt werden. Dies ist oft keine leichte Aufgabe, da z.B. ein oberer Backenzahn (6er) in der Regel drei Wurzeln und sehr oft sogar vier Kanäle hat. Der schwierigste Teil der Arbeit ist dabei, alle Kanaleingänge aufzusuchen und die gesamte Kanallänge  jedes einzelnen Kanals durchgängig zu sondieren (2). Dazu ist oftmals ein hoher Zeitaufwand und ein engagierter Einsatz von Handinstrumenten unter Einsatz einer Lupenbrille oder eines Mikroskops erforderlich.

    Früher war die Röntgenaufnahme die einzige Möglichkeit für den Zahnarzt, eine Längenmessung der Wurzeln durchzuführen.
    Heute kann man die Zahnlänge genauer mit sogenann­ten Endo­metrie­­computern be­stimmen, die die Lage der Wurzelspitze über eine elektronische Messung ermitteln. Diese Geräte arbeiten genauer als die Röntgenaufnahme (3) und die Anzahl der notwendigen Aufnahmen im Verlauf der Behandlung wird zudem reduziert.

    Die vorbereiteten Kanäle werden anschließend mit speziellen, maschinell betriebenen Feilen erweitert und damit an allen Kanalwänden bearbeitet. Diese Instrumente sind aus einer hochmodernen, besonders biegsamen Metalllegierung und müssen mit einem speziellen, drehmomentgesteuerten Motor eingesetzt werden (4). Während dieser Phase der Behandlung müssen die Kanäle mehrfach mit chloridhaltigen Desinfektionsmitteln gespült und mit besonderen Gleitmitteln geflutet werden, um zusätzlich zur mechanischen Reinigung auch chemisch möglichst gründlich die Bakterien im Kanal zu beseitigen.

    Nach Abschluß der Aufbereitung wird die im Kanal befindliche Mischung aus Desinfektionsmittel und Gleitgel noch mit einem speziellen Ultraschallinstrument aktiviert. Dadurch verstärkt sich die reinigende Wirkung zusätzlich. (5)

    Ist die Entzündung schon weit fortgeschritten, kann es manchmal notwendig sein, vor der eigentlichen Wurzelkanalfüllung noch für einige Tage ein Medikament in die gereinigten Kanäle einzubringen. In diesem Fall würden wir mit Ihnen einen weiteren Termin zur definitiven Wurzelkanalfüllung vereinbaren. Bis dahin wird der betroffene Zahn mit einer provisorischen Füllung verschlossen.

    Die endgültige Füllung der gereinigten Wurzelkanäle erfolgt mit einer gummiartigen Masse und einem Zement, die zusammen unter leichtem Druck in die Wurzelkanäle eingebracht werden. So erreicht man einen dichten Verschluss der Kanäle.
    Abschließend wird durch ein Röntgenbild die Qualität der Wurzelkanalfüllung kontrolliert.

    Ist damit die Behandlung des Zahnes abgeschlossen?

    Die Erhaltung wurzelkanalgefüllter Zähne

    Damit der wurzelkanalgefüllte Zahn möglichst lange erhalten bleibt, muß die Zahnkrone dauerhaft durch eine Füllung oder Krone abgedichtet und stabilisiert werden. Im Seitenzahnbereich (Backenzähne) schließt sich daher in den meisten Fällen eine Überkronung des wurzelkanalgefüllten Zahnes an. Eine regelmäßige Röntgenkontrolle des behandelten Zahnes wird empfohlen.

    Alternativen zur Wurzelkanalbehandlung

    Entfernung (Extraktion) des erkrankten Zahnes

    Die Alternative zur Wurzelkanalbehandlung ist die Entfernung (Extraktion) des erkrankten Zahnes. Bei Verzicht sowohl auf die Wurzelkanalbehandlung als auch auf die Extraktion muß damit gerechnet werden, daß sich eine bestehende Entzündung im Kieferknochen ausbreitet. Die Wurzelkanalbehandlung ist ein seit vielen Jahren bewährtes Verfahren zur Rettung erkrankter Zähne. Ein ordentlich wurzelkanalgefüllter und vollständig restaurierter Zahn hat gute Aussicht darauf, langfristig, unter günstigen Umständen sogar lebenslang, erhalten zu bleiben. Als vollwertiger Zahn ist er in vielen Fällen die bessere Alternative zu Zahnersatz und Implantaten.

    Wurzelspitzenresektion

    Entzündungen an der Wurzelspitze

    Dieser chirurgische Eingriff wird notwendig bei Entzündungen an der Wurzelspitze, die nicht durch eine konservative Wurzelkanalbehandlung ausheilen konnten. Mögliche Ursachen sind z. B. blockierte Kanäle, die nicht vollständig gereinigt werden können oder zementierte Wurzelstifte, die sich nicht mehr entfernen lassen. Unter örtlicher Betäubung wird die infizierte Wurzelspitze und das umgebende entzündliche Gewebe chirurgisch entfernt und die verkürzte Wurzel mit einer retrograden (rückwärtigen) Wurzelfüllung verschlossen. Wurzelspitzenresizierte Zähne haben statistisch eine kürzere Lebensdauer als Zähne mit einer korrekten konservativen Wurzelbehandlung.

    Zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung?

    Nachfolgende Punkte sind zu berücksichtigen

    Normalerweise sind Wurzelbehandlungen Gegenstand der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, wenn

    • eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann
    • vorhandener Zahnersatz erhalten werden kann
    • der Zahn fest – also noch von genügend Knochen umgeben – und nicht allzu stark zerstört ist

    In besonderen Fällen kann es dadurch notwendig werden, daß die gesamte Behandlung selbst bezahlt werden muß. In jedem Fall aber zieht die Wurzelbehandlung im Rahmen der von uns durchgeführten aufwendigen Maßnahmen Mehrkosten pro behandelten Kanal nach sich, die wir Ihnen separat in Rechnung stellen müssen.

    Der Grund hierfür ist, dass bestimmte Leistungen, die wir für essentiell für den Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen werden, wie die desinfizierende NaCl Spülung, die elektrometrische Längenmessung und die maschinelle Aufbereitung mit rotierenden Feilen.